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Historischer Staudengarten am Königsufer


• 1935 angelegt

• ca. 6000 m² groß

• zwischen Albertbrücke & Landesregierung



Zum schönsten Erlebnis des Gärtners gehört die Erfahrung, daß Pflanzen- und Gartenfreude in so hohem Maße menschenverbindend wirkt, ja Menschen aus Stummheiten gegeneinander löst!
Sie spüren es insgeheim, daß all dies höhere Pflanzenblühen auch auf ein höheres Blühen der Menschenwelt hinzielt. (Karl Förster)


Der 1935 entstandene Staudengarten ist einer der Sondergärten, welche in den 1930er Jahren die bedeutendste städetebauliche Maßnahme dieser Zeit in Dresden, das "Königsufer" bilden. Auf ca. 3 km von der Marienbrücke beginnend, gelang es damals bis hin zur Prießnitzmündung, einen durchgängigen Grünzug als Gegenstück zum geschlossen bebauten Altstädter Elbufer zu entwickeln.
Mit dem sich auf der stromaufwärts der Albertbrücke befindlichen Rosen- und dem stromabwärts der Albertbrücke liegenden Staudengarten, finden wir die letzten beiden noch vorhandenen Gartenanlagen aus dieser Epoche in unmittelbarer Nähe liegend vor. Nicht nur diese räumliche Nähe, sondern auch der hohe fachliche Anspruch an die Pflege des Staudengartens sind es schon immer gewesen, welche den Rosengarten-Mitarbeitern Auftrag und Verpflichtung für die weitere Pflege und Entwicklung dieses wunderschönen Parkes unserer Stadt Dresden ist.




Seit der Entstehung des Staudengartens im Jahr 1935 konnten trotz einiger Zäsuren, die grundlegenden Strukturen im Großen und Ganzen erhalten werden. Die auffälligste Veränderung war das Fehlen des durch Kriegseinwirkungen zerstörten Wasserbeckens. Es wurde Ende der 1950er Jahre verfüllt und und mit einer dem damaligen Gesamtbild des Staudengartens angepassten Pflanzung überdeckt.

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(C) Foto: Nadine Dittrich

Teilansicht des Staudengartens mit Sonnenuhr, Wasserbecken und Rundbank
Seit der vollständigen Rekonstruktion nach gartendenkmalpflegerischen Zielstellungen im Jahr 2009/2010, können das Wasserbecken und seine Einordnung in einen weitestgehend am historischen Vorbild wieder hergestellten Staudengarten bewundert werden. Die bei der durch das mit der Planung und Leitung dieser Rekonstruktion beauftragten Architektur- und Planungsbüro "Rentsch + Tschersich Garten- und Landschaftsplanung" gewonnen Erkenntnisse konnte natürlich nicht mehr 1:1 umgesetzt werden. Standortkomponenten hatten sich geändert, so das sich zum Beispiel durch die auf der Elbseite stehenden Platanen ein unheimlich starker Baumdruck auf die Staudenflächen entwickelt hat. Desweiteren haben sich die Heckenpflanzungen von Carpinus betulus ebenfalls derartig gut entwickeln können, dass es durchaus gerechtfertigt ist von einer Reihe Bäumen zu sprechen. Letztere wirken zwar auf der einen Seite raumbildend, aber auf der anderen Seite haben sie auch einen starken Wurzeldruck in Richtung Staudenpflanzung entwickelt.





Wenn heute und hier von der Aufgabe einer fachlich hochwertigen landschaftsgärtnerischen Pflege des Staudengartens gesprochen wird, bedeutet das im Einzelnen natürlich immer auch einen immensen Arbeitsaufwand. Mit einer Gesamtfläche von mehr als 6000 m² birgt diese öffentliche und jederzeit frei zugängliche Parkanlage jede Menge gärtnerische Herausforderungen in sich.

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(C) Foto: Nadine Dittrich

Die wieder hergestellte Rundbank im Heckenbogen - Gebaut nach Originalbauplänen der Firma Runge
Allein über 3000 m² Staudenfläche im gesamten Bereich des Gartens wollen zum jeweils gärtnerisch richtigen Zeitpunkt gepflegt werden. Davon sind es nun ca. 1400 m² Staudenfläche, welche in den Anfangsjahren intensiv mit bis zu 20 Durchgängen pro Jahr betan werden. Desweiteren gehören zum Staudengarten auch etwa 250 lfd Meter Hainbuchenhecke. Diese 1,80 m hohe Hecke wird zweimal im Jahr einem Formschnitt unterzogen. Hierbei gelingt es nur mit Wasserwage, Perlonschnur und Fluchtstangen zu einem passablen Ergebnis zu kommen. Der Grund für dieses präzise Arbeiten sind die oft über längere Abschnitte sehr gut einsehbaren Heckenflächen, welche schon bei den geringsten Unregelmäßigkeiten ausgesprochen ungepflegt wirken. In den nächsten Jahren müssen durch Schnitt- und Pflegemaßnahmen, vor allem in den Rücklagebereichen, verbesserte Voraussetzungen für ein allseitiges Heckenwachstum geschaffen werden. Nur wenn es auch in der weiteren Zukunft gelingt diese Hainbuchenhecken auf gewohnt hohem Niveau zu pflegen und erhalten, wird es möglich sein den Staudengarten in seiner Einzel- und seiner Gesamtstruktur gleichermaßen vorstellen zu können.




Wasserflächen als gartenarchitektonische Gestaltungselemente haben schon immer einen starken Reiz auf die Besucher von Parks und Gärten ausüben können. Wer sitzt schon nicht gern einmal am Rand eines solchen kleinen Teiches oder eines Wasserbeckens und genießt die sich ständig verändernden Reflexionen der Wasseroberfläche. Wasser spricht, aber es wiederholt sich nicht. Vielleicht ist es ja

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Der Charme des Wasserbeckens im Staudengarten besteht unter anderem in der Kombination von klarer geometrischen Außenform und einer sparsam-punktuellen Einbringung von organischen Strukturen in die Wasserfläche.
Hier im Bild die Blüte einer Wasseriris - Iris pseudoacorus - einem klassischem Sommerblüher
gerade deshalb der Kontrapunkt und äußerst angenehmer Umgang für uns vom täglichen Informationsüberangebot geplagten Menschen.
Bereits auf den ersten Fotos und Postkarten aus den 1930er Jahren welche den neuentstandenen Staudengarten zeigen, ist zu erkennen welche große Idee hinter diesem Gestaltungselement stecken. In den ersten Jahren nach seiner Eröffnung konnte man aus dem neuen Staudengarten heraus noch sehr gut die Silhouette der Altstadt sehen.Vor diesem prachtvollen Panorama lag die Elbe und zog sich gleich einem silbrigen Band daran vorbei. Mit der Errichtung des Wasserbeckens ist es den Gestaltern dieses Gartens gelungen, eben dieses Wasser symbolisch in den Staudengarten herein zu holen. Auch mit solchen subtilen Mitteln gelingen oft die überraschendsten Dinge. Während der Zerstörung Dresdens im Februar 1945 wurde auch das Wasserbecken durch eine Sprengbombe schwer beschädigt. 1958 wurde es oberirdisch zurückgebaut und verfüllt. Mit einer Bepflanzung versehen, dauerte dieser Zustand bis zur kompletten Rekonstruktion des Staudengartens in den Jahren 2009/2010 an. Heute haben wir wieder eine knapp 100 m² große und bis zu 1,40 m tiefe Wasserfläche zur Verfügung um den ursprünglich erdachten gestalterischen Ansprüchen entsprechen zu können.





Mit seinen knapp 200 Pflanzenarten, -sorten und -species auf reichlich 6000 m² wird auch der heutige Staudengarten seinem Namen durchaus gerecht. Wenn man die reine Staudenfläche von etwa 3000 m² sieht, natürlich umso mehr. Bei der Auswahl der Stauden galt es die damalige Gestaltung an die heutigen Gegebenheiten anzupassen. Pflanzpläne und Sortenverzeichnisse aus den Entstehungsjahren gibt es wie auch für den Rosengarten heute nicht mehr.

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"Es wird durchgeblüht!" - Getreu dem Motto Karl Foerters zeigt sich der Staudengarten die ganze Vegetationszeit über in einem ständig wechselndem Blütenkleid. Im Bild zu sehen ist ein Ausschnitt aus dem Blütenfeuerwerk im Juli. "Ein Garten ohne Phlox ist nicht nur ein bloßer Irrtum, sondern eine Versündigung gegen den Sommer". (Karl Foerster)
Allein mit Hilfe von Postkarten, Fotos, Gemälden und verbalen Beschreibungen gelang es, ein ungefähres Farbkonzept zu erstellen. Das Problem der Umsetzung dieser Erkenntnisse in die heutige Zeit, bestand in den sich stark veränderten Umgebungsfaktoren. So sind aus früheren vollsonnigen Standorten heute Stellen entstanden welche im Vollschatten der großen Bäume liegen. Da es in der Gestaltung des Staudengartens eine Symetrieachse gibt welche der Mitte der Längsausdehnung entspricht, wirkt diese Veränderung um so schwerer. Dem Architektur- und Planungsbüro "Rentsch + Tschersich Garten- und Landschaftsplanung" ist es sehr gut gelungen diese Probleme zu meistern. Eine Sache ist allerdings immer wieder unabhängig von jedweden Standortparametern anzutreffen. Wir sprechen hier natürlich von Samen- und / oder Wurzelunkräutern, welche sich immer wieder in den Stauden breit machen. Hier gilt es erfahrungsgemäß in den ersten Jahren verstärkt dagegen vorzugehen bis sich die Stauden ausreichend genug ausgebreitet haben um eine optimale Bodenbedeckung zu gewährleisten. Bis dahin aber heißt es immer wieder jäten, jäten, jäten...





Einen Garten zu schaffen beinhaltet auch immer den Gedanken an das Schaffen einer kleinen Oase der Ruhe und des Innehaltens, zumindest sollte es so sein. Im Staudengarten wird seit dem 01. Dezember 2010 mit einem kleinen Schild auf der Lehne einer Bank am Wasserbecken nun auch direkt darauf hingewiesen. Und wer hätte gedacht, dass der Freistaat Sachsen und die Landeshauptstadt Dresden nun ausgerechnet dieses Zitat des amerikanischen Schriftstellers John Steinbeck (1902 - 1968) wählen? "Die Kunst des Ausruhens ist ein Teil der Kunst des Arbeitens" Chapeau! Schöner läßt es sich doch kaum formulieren und der Erfolg (dieser und der vielen anderen Bänke) gibt der Auswahl dieses Gedankens durchaus recht.

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Mandarinenten (Aix galericulata) gehören neben den Stockenten zu den ständigen Gästen im Wasserbecken des Staudengartens. Dazu kommen noch Libellen und deren noch nicht ganz so grazilen Larven, Wasserkäfer und Wasserläufer sowie mitunter ein ausgesetzter Goldfisch.
Sollte der Staudengartenchefhase auch vor Ort sein, so könnte es passieren, dass Sie soeben den Organisatoren einer kleinen Konferenz der Tiere begegnet sind ...
Waren es am 01. Dezember 2010 Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz und Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich die den Staudengarten und diese Bank gemeinsam einweihten, so sind es seither viele Besucher, Touristen, Gäste und Mitarbeiter der benachbarten Landesregierung die an diesem wunderschönen Platz einen Moment der Ruhe genießen. Erich Kästner schrieb in seinem Gedicht "Die Wälder schweigen" Vom vielen Pflaster treten wird die Seele krumm, mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden und tauscht bei ihnen seine Seele um. Wir meinen, das kann man hier im Garten mit allen Stauden auch. Probieren Sie es doch einmal aus. Vielen Besuchern scheint es schon gelungen zu sein, denn es macht sich eine Freundlichkeit bemerkbar welche den städtischen Gärtnerinnen sonst kaum noch entgegen gebracht wird. Vielen Dank!
Sehr beeindruckt von der Ausstrahlung, Gestaltung und dem Pflegezustand des Staudengartens war die Jury des Wettbewerbes "Entente Florale - Bürger schafft Grün" im Juli 2012. Mit Sicherheit war dies ein wichtiger Baustein zum Erfolg Dresdens und dem Gewinn der Goldmedaille. Sie ist Erfolg aber auch Verpflichtung zugleich, denn mit diesem Sieg ist auch die Nominierung für "Entente Florale Europa 2013" verbunden. Wir dürfen gespannt sein ...





Was macht den Staudengarten am Königsufer neben Wasserbecken, Plätzen zum Ausruhen und den unterschiedlichsten Besuchern eigentlich noch so interessant? Außer den gerade genannten Dingen ist es auf jeden Fall ein ständiger Blütenflor der die Besucher in Atem hält. Um es mit Karl Förster zu sagen "Es wird durchgeblüht!" Denn bis weit in den Oktober hinein, gibt es immer wieder neue Akzente und Farbenspiele zu entdecken. Dies nicht zuletzt deshalb, weil es durch eine reiche Auswahl an Phlox in

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"Es gehört ja zum größten Reiz des Phloxflors im Garten, daß monatelang immer neue Massen dieser Fesselballons in milden, brennenden, schneeigen oder sonoren Farben aufsteigen, und daß dann auch noch das endlose Spiel des gestutzten Nachflors in reichen Farbenschleiern folgt."

Karl Förster

verschiedensten Sorten gelungen ist, die Blühzeiträume wesentlich zu verlängern. Mit Eisenhut, Herbstaster, Silberkerze und spät blühende Fetthenne finden sich bereits eine Menge von Spätzündern im Blütenfeuerwerk ein, welche den Besuchern einen sich bereits ankündigenden Saisonausklang milde gestalten wollen. Es lässt sich nicht mehr verheimlichen , die Tage werden kürzer, die Sonne scheint nicht mehr ganz so kräftig und im Tageslicht werden die Rottöne zusehend dominanter. Viele Stauden zeigen sich in einem malerisch wirkendem Herbstkleid aus goldgelben, orangen oder auch leuchtend rotem Herbstlaub. Auf den Bänken sitzen, die letzten wärmenden Strahlen der Herbstsonne mit geschlossenen Augen genießen und in Gedanken das Gartenjahr Revue passieren lassen. Öffnet man dann die Augen und die schönen Dinge sind in gewandelter Form immer noch da, dann hat er schon etwas magisches, dieser Moment des Genießens und dem Einssein mit der Natur. Und genau diese Momente des Glücks sind es, die es uns auf einmal erlauben Dinge bewußter wahrzunehmen, an denen wir sonst vorüber gegangen sind ohne die kleinen und feinen Besonderheiten zu entdecken..





Gärten im Winter? Für viele unserer Mitmenschen verbindet sich mit diesem Gedanken eher der Kleingarten welcher mit wetterberichtsbedingter Schnelligkeit noch grob "winterfest" gemacht wurden ist. Es ist natürlich auch das, aber welch wundervolle Strukturen lassen die verblühten, an der Pflanze belassenen Blütenstände an einem klaren Wintertag mit glitzernder Schneedecke im Detail erahnen.Wie von Zauberhand in den Schnee gesteckt, oder ihm unter einer Schneehaube tapfer widerstehend.

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Rauhreif benimmt dem Winter alle Erdenschwere. ...Rauhreif ist die Mozartmusik des Winters, gespielt bei atemloser Stille der Natur...

Karl Förster

Es ist nicht mehr das überbordende Farbenmeer welches das Auge erfreuen möchte, sonder die eher monochrom daherkommende Struktur der Linien und Flächen einer Pflanze und ihres Schattens auf dem glitzernden Schnee. Hat man das große Glück, das alles einmal mit Raureif im Gegenlicht erleben zu dürfen, so ist es uns vergönnt gewesen, zumindest an einem der vielen Wunder unserer Welt für einen Moment lang teilzuhaben. Und das alles bekommen die Gärtner auch noch bezahlt? Diese Frage hört man jetzt förmlich durch den virtuellen Raum fliegen und sich gleich einem der vielen Raben auf den Platanen neben dem Staudengarten niederlassen. Na klar und auf jeden Fall werden die Gärtner auch dafür bezahlt! Es ist eine der Grundkompetenzen die sich der Landschaftsgärtner zu Eigen machen muß, der Natur ihre Schönheiten abzulauschen, zu erkennen und für sich selbst zu verinnerlichen. Und nur aus diesem Vermögen heraus, wird es auch immer wieder gelingen, solche schönen Dinge wie den Staudengarten am Königsufer entstehen zu lassen. Und noch eins bleibt zu berichten:

Gemeinsame Gartenfreude mit geliebten Menschen gehört zu den herzbewegensten Hochbezirken des Daseins... (Karl Förster)






Jens Zappe